Die kleine Elfe

Da saß sie nun die kleine Elfe in ihrer Nussschale … in ihrem klitzekleinen wohligen Haus am Ende des Weges, direkt am Waldrand. Hier fühlte sie sich sicher und geborgen. Alles war ihr vertraut und sie war sehr stolz auf ihr Leben und ihr gemütliches Zuhause.

 

Man könnte annehmen, sie wäre sehr glücklich und zufrieden gewesen. Nach außen hin, schien alles in bester Ordnung zu sein.

 

Allerdings war die kleine Elfe in Wahrheit sehr traurig. Denn zu gerne wollte sie ihren Platz finden … sie wollte hinaus in die Welt, um den Menschen wichtige Botschaften zu überbringen, die sie darin unterstützten, an sich und eine Welt in Harmonie und Liebe zu glauben.

 

Doch irgendetwas hielt sie fest … es war eine große Angst, die sich um ihr Herz klammerte und die sie davon abhielt, für sich zu gehen.

Schlimmes musste passiert sein, denn die Angst war sehr übermächtig. So saß sie da, ganz alleine und wusste nicht, wie sie aus ihrem Dilemma rauskommen sollte.

 

Da kam ein großer, stattlicher Bär des Weges … fast wäre er über die Nussschale, in der die kleine Elfe saß, gestolpert. "Hoppla", sagte er … "was ist denn mit dir? Du siehst traurig aus … kann ich dir helfen?"

"Ach ich weiß nicht", antwortete die Elfe … "ich habe große Angst hinauszugehen und meine Stimme erklingen zu lassen.

Zu schlimm sind die Erinnerungen, die da in mir schlummern. Und doch ist mein Wunsch so groß, endlich aktiv zu werden … hinaus in die weite Welt zu fliegen und wichtige Botschaften zu verkünden."

 

"Was wäre, wenn du deiner Angst eine Stimme verleihst … lade sie zu dir ein …"

Oh ja, das schien ein guter Vorschlag zu sein. Gesagt … getan!

Die kleine Elfe lud die Angst ein, sich vor sie zu stellen … omg! Ja, sie war riesig … sogar größer als der Bär!

 

„Ha, ha, ha …“, polterte die Angst ihr entgegen. „Du Winzling! Wirst es niemals schaffen, dich aus deinem Gefühl des Kleinseins zu befreien. Ich bin stärker als alles andere! Spürst du meine Macht?!“

Die Worte der Angst trafen die Elfe mitten ins Herz. Sie fühlte sich ohnmächtig und dieses Gefühl hasste sie! Wut stieg in ihr hoch, sie nahm all ihren Mut zusammen und rief: „Ich schaffe es, ich trau mich … auch wenn du mir im Nacken sitzt! Ich hab keine Zeit mehr zu warten, denn der richtige Zeitpunkt ist jetzt!“

 

Die Angst kugelte sich vor Lachen … „Du hast keine Chance gegen mich! Ich beherrsche die Menschen schon so lange, all ihre Gedanken und ihr Tun! Sie lassen sich manipulieren und führen … weil sie mich fürchten und meine Kraft spüren!!!“

 

Die kleine Elfe wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit der Angst weiter zu diskutieren. Also stellte sie sich breitbeinig vor sie hin, stemmte ihre Arme in die Seite und bat blitzschnell in Gedanken, ihre Freunde den Bären und den Drachen zu sich.

 

Sofort waren sie zur Stelle und sie spürte die Liebe, die von Herz zu Herz floß und ihren ganzen  Körper erfüllte. Sie schien zu wachsen … oder wurde die Angst kleiner? Wie auch immer, die Elfe fühlte sich sicherer und erwachsener! Sie strahlte plötzlich Sicherheit und Selbstvertrauen aus.

 

„Ich hab den Mut meinem Herzen zu folgen!“, sagte sie mit noch etwas zittriger Stimme. „Ich entscheide mich für mich, denn ich weiß, dass ich dann glücklicher bin. Es macht mich einfach glücklich, mir selbst und anderen zu helfen.

Wenn ich da bleibe, wo ich bin, bin ich unglücklich. Ich will neue Erfahrungen machen, die mich erkennen lassen, wir ich bin! Ich will vertrauen, dass sich mir mein Weg Schritt für Schritt eröffnet.

Es ist meine Bestimmung, Menschen zu führen. Ich will ihnen Mut machen, auf ihr Herz zu hören und aus dem tiefen Vertrauen zu sich selbst Sicherheit zu gewinnen, die Bestand hat.“

 

Und mit jedem Wort das die kleine Elfe sprach wurde ihre Angst kleiner und kleiner …

 

Was meinst du, wie die Geschichte wohl weitergeht?